Nachhaltig reisen: Wie umweltfreundlich ist dein Verkehrsmittel?

Nachhaltig reisen

Jeder Weg hat Auswirkungen auf die Umwelt – sogar Gehen, durch das minimale Mehr an CO₂ beim schnelleren Atmen. Die Frage, wie umweltfreundlich welches Verkehrsmittel ist, rückt aus gutem Grund mehr und mehr in den Fokus. Nachhaltig reisen ist für viele mindestens genauso wichtig, wie günstig oder schnell ans Ziel zu kommen! Wir haben uns mit der Umweltfreundlichkeit von Verkehrsmitteln auf längeren Strecken beschäftigt und den Konsens, dass Fliegen schlecht für die Umwelt ist, Bahnfahren aber gut, genauer unter die Lupe genommen. Erstaunliches kam ans Licht – mach dich auf die ein oder andere Überraschung gefasst!

🌍  Der Verkehr in Deutschland

Bevor wir die Umweltbilanz von Zug, Bus und Co. enthüllen, werfen wir zuerst einen kurzen Blick auf die aktuelle Ausgangslage.

Umweltfreundlich bzw. nachhaltig reisen kann einen großen Unterschied machen. Vom gesamten in Deutschland ausgestoßenen CO₂ gehen etwa 20-25 % zurück auf den Mobilitätssektor, sprich den Verkehr. Davon wiederum entfällt mit 95 % der absolute Löwenanteil auf den Straßenverkehr.

Das Auto, von dem es hierzulande etwa 47 Millionen gibt, ist für viele (aus Umweltsicht: leider) immer noch erste Wahl. 61 % aller Wege werden mit dem PKW zurückgelegt, die Hälfte davon ist kürzer als 6 km.

💡 Gut zu wissen: Das Umweltbundesamt hat‘s ausgerechnet – wer nur ein Jahr lang öffentlichen Verkehrsmitteln den Vorzug vor dem Auto gibt, spart der Umwelt den Ausstoß von etwa 320 kg CO2 und sich selbst etwa 3.700 €. Deshalb lohnt sich nachhaltig reisen auch persönlich!

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Nachhaltig reisen? Eine Frage der Fragestellung

Bei der Frage „Welches Verkehrsmittel ist das umweltfreundlichste?“ kommt es stark darauf an, was mit in die Rechnung einfließt. Nimmt man es genau, geht es beim Thema „nachhaltig reisen“ um deutlich mehr als den stets bemühten CO₂-Vergleich der Verkehrsmittel während der Fahrt/des Fluges:

  • Die jeweilige Auslastung des Verkehrsmittels sollte auf jeden Fall mitberücksichtigt werden,
  • bei Elektroantrieb auch die Herkunft (und daraus resultierende Umweltbelastung) des Stroms,
  • weitere Schadstoffe wie Stickoxide und Feinstaub,
  • die Produktionskosten der Verkehrsmittel aus Umweltsicht und nicht zuletzt
  • die Klimabilanz der dazugehörigen Infrastruktur!

Die oft sehr guten Umweltwerte der Bahn etwa werden in der Regel unter Ausklammerung von Bordrestaurant, der Instandhaltung von Zügen, Bahnhöfen und Schienen sowie teils des kompletten Nahverkehrs ermittelt.

Skeptiker von Statistiken haben es ja schon immer gewusst, Udo Becker, Professor für Verkehrsökologie an der TU Dresden, formuliert es so: „Wenn Sie mir sagen, welches Ergebnis herauskommen soll, sage ich Ihnen, wie wir die dazu passende wissenschaftliche Untersuchung so zurechtschneidern, dass genau dieses Ergebnis herauskommt.“ [1]

Weitere Faktoren

Folgendes muss im Sinne der Umwelt auch mit in den Hinterkopf, will man die sinnvollen von den hinkenden Vergleichen trennen:

  • Öffentliche Verkehrsmittel fahren nach Fahrplan, also sowieso. Autofahrten kann man da grundsätzlich als zusätzliche Belastungen auffassen – umweltfreundlich reisen geht anders.
  • Flüge schneiden in fast jeder Klimabilanz am schlechtesten ab – sind aber in der Realität oft noch schädlicher als auf dem Papier! Die Emission von Schadstoffen in großer Höhe hat ökologisch drastischere Auswirkungen als am Boden. Diesen Effekt berücksichtigt der RFI (Radiative Forcing Index) – fehlt er, grenzt das an Augenwischerei.
  • Mit in die Rechnung sollten neben der Infrastruktur auch notwendige Wege. Hinter Flügen etwa stecken der Flughafenbau sowie die Fahrt von und zum Flughafen.
  • Um dir den Flug zum Urlaubsland jetzt nicht komplett zu vergällen: Emissionen von Flugzeugen werden in Europa über das Emissionshandelssystem abgegolten – im Gegensatz zu denen von Autos oder Bussen. Nicht zu fliegen, hält die Erderwärmung dabei paradoxerweise nicht auf! Auf das Auto zu verzichten, kann aber wirklich einen Unterschied machen.

Ergebnisse Umwelt & Verkehr

Angesichts dieser unüberschaubaren Gemengelage ist es nicht einfach, wirklich etwas dazu sagen zu können, mit welchem Verkehrsmittel du der Umwelt den größten Gefallen tust. Das Umweltbundesamt hat sich zum Glück vor kurzem die Mühe gemacht, bezogen auf das Jahr 2016 genau hinzusehen.

🌍 CO₂-Vergleich Verkehrsmittel

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Auch bei diesem Vergleich wurden nicht alle relevanten Faktoren miteinbezogen, aber zumindest die Herkunft des Stroms bei Elektroantrieb, die tatsächlichen Auswirkungen des Flugverkehrs und die Schadstoffe über CO₂ hinaus.

 PKWReisebus*Bahnfernverkehr**Flugzeug
Treibhausgase in g/Pkm140
3238214
Kohlenmonoxid in g/Pkm0,61
0,040,020,14
Flüchtige Kohlenwasserstoffe in g/Pkm0,14
0,020,000,04
Stickoxide in g/Pkm0,35
0,180,050,57
Feinstaub in g/Pkm0,004
0,0030,0000,005
Auslastung1,5 Pers./PKW
60 %53 %80 %

Quelle: TREMOD 5.72, Umweltbundesamt vom 13.3.2018

g/Pkm = Gramm pro Personenkilometer
* Fernlinienbusse und Busse im Gelegenheitsverkehr (zum Beispiel für Klassenfahrten) zusammengenommen.
** Die Emissionsfaktoren der Bahn basieren auf den Angaben zum durchschnittlichen Strommix in Deutschland. Unternehmensbezogene Strombezüge wie der „Umweltmobilcheck“ der Deutschen Bahn AG weichen daher von den dargestellten Werten ab.

Der Reisebus hat hier, bezogen auf den CO₂-Ausstoß, trotz Verbrennungsmotors ökologisch knapp die Nase vorn. Der höheren Auslastung sei Dank! Bei anderen Schadstoffen hat aber eindeutig die Bahn die weißeste Weste. Für herkömmliche Pkws ist, zumindest im Bereich des CO₂, die Auslastung entscheidend. Vollbesetzt mit 5 Personen kommt man zumindest in die Nähe öffentlicher Verkehrsmittel (ein Argument mehr für Mitfahrgelegenheiten). Hinsichtlich anderer Schadstoffe aber macht das Auto beim Thema „nachhaltig reisen“ einfach keine gute Figur.

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Nachhaltig reisen mit der Deutschen Bahn?

Hinsichtlich einzelner Unternehmen kann sich das Blatt dann wieder wenden: Die Deutsche Bahn etwa, als größter Anbieter im Schienenverkehr, setzt sich bei der Herausforderung „nachhaltig reisen“ positiv von der Durchschnittskonkurrenz ab. Mit einem Anteil von 57,2 % erneuerbarer Energien am Stromverbrauch des Zugverkehrs (eigene Angaben)[2] liegt der Strommix der Deutschen Bahn 2018 schon deutlich über dem zu Grunde gelegten, deutschlandweiten Durchschnittswert von etwa 37,8 %[3]. Darüber schmilzt der knappe Vorsprung der Reisebusse vermutlich auf nichts zusammen.

Dass die DB nach eigener Aussage Personen mit 100 % Ökostrom befördert, kann man allerdings getrost als eines der Rechenbeispiele heranziehen. Zwar wurde der Anteil erneuerbarer Energien so gesteigert, dass er rechnerisch für den Personenfernverkehr ausreicht, dafür würde allerdings dann der Strom für den Nahverkehr fast komplett aus Kohle, Atomkraft und Co. gewonnen.

Nachhaltig reisen mit dem Fernbus?

Eine Studie, die sich der Herausforderung gestellt hat, auch die Infrastruktur der einzelnen Verkehrsmittel mitzuberücksichtigen, haben wir ebenfalls gefunden, allerdings wurde diese in den USA durchgeführt[4]. Durch die Infrastruktur verdoppelte sich dabei der CO₂-Ausstoß bei Zügen. Bei PKWs kam 1/3 des bisherigen CO₂ dazu, bei Flugzeugen 1/5 bis 1/10. Ließe sich das auf Deutschland übertragen, hätte der Bus mit rund 42 Gramm CO₂ pro Personenkilometer gegenüber der Bahn mit etwa 74 g deutlich die Nase vorn! Nicht nur, da hier Stadtbusse in den USA untersucht wurden, ist eine Übertragung auf den Fernverkehr in Deutschland 1:1 nicht möglich.

🌍 So nachhaltig ist dein Verkehrsmittel

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Wie geht‘s weiter? Beim Blick in die Zukunft werden Bus und Bahn, die beiden aktuell klimaschonendsten Reisemöglichkeiten, vermutlich noch klimaschonender. Der Rest ist leider unklar.

Fernbus und Flugzeug

  • 🚌: Auch bei Reise- bzw. Fernbussen machen die Bemühungen, Elektromotoren zu nutzen, Fortschritte! Das Umweltbundesamt fordert die Busgesellschaften dazu auf, in Zukunft verstärkt auf postfossile Antriebsarten zu setzen. Das Ziel, den Anteil erneuerbarer Energien am verbrauchten Strom zu steigern, haben sich darüber hinaus nicht nur die deutsche Regierung, sondern auch viele Unternehmen auf die Fahnen geschrieben …
  • ✈️ … einzig im Bereich des Fliegens ist man von einer praxistauglichen Möglichkeit, in absehbarer Zeit auf Verbrennungsmotoren zu verzichten, noch weit entfernt.

Trost für alle, die nachhaltig reisen, aber auf das Fliegen nicht verzichten wollen oder können: Es gibt Ausgleichsmöglichkeiten! Nicht nur über den Emissionshandel der Europäischen Union, auch durch Spenden an klimaschützende Projekte lässt du deinen CO₂-Fußabdruck von der Größe Bigfoot wieder auf Normalniveau schrumpfen.

Bahn und Pkw

  • 🚄: Mit ehrgeizigen Zukunftsplänen der Deutschen Bahn (Halbierung der Treibhausgase bis 2030, absolute Klimaneutralität bis 2050) kann Bahnfahren auf weiten Strecken seinem guten Ruf letztlich doch überwiegend gerecht werden.
  • 🚗: Im Bereich der PKWs sind Elektromotoren längst auf dem Vormarsch. Neben einer (abhängig vom genutzten Strom) oft guten Bilanz für den Schadstoff-Ausstoß während der Fahrt muss man hier, zumindest derzeit noch, die sehr teure und ressourcenaufwendige Herstellung der Motoren mitberücksichtigen.

Unterm Strich und in aller Kürze: Flugzeuge und Autos auf der einen sowie Züge auf der anderen Seite haben sich ihr Image als Klimakiller bzw. -freund im Großen und Ganzen verdient. Der Bus aber sollte (zumindest bis auf weiteres) unbedingt auch auf deine Liste der umweltfreundlichen Verkehrsmittel. Wirklich ökologisch und nachhaltig reisen ist momentan noch schwer. Doch mit dem richtigen Verkehrsmittel gehst du einen Schritt in die richtige Richtung!

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